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Ausstellungen in den USA, Türkei und Israel: Blumberger Künstlerin international gefragt

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Künstlerin
Christa Jeitner
Telefon:0 33 38/25 50
Website:www.chr-christajeitner.de

Radikal mit Faden und Seil

Stand: November 2019

Islam und Judentum in der heutigen Zeit der Gegensätze und blutigen Kriege friedlich zu verknüpfen, scheint völlig unmöglich. Eine zierliche Blumbergerin ist gerade dabei ausgerechnet mit Seilen zumindest zeitweise diesen gordischen Knoten wenn nicht zu zerschlagen, so doch ein klitzeklein wenig zu lockern.

Christa Jeitner ist mit Elisenau im doppelten Wortsinn verwurzelt. „Ich wohne schon immer hier“, ist die 84-Jährige stolz auf ihre Heimat und wehrt sich intensiv dagegen, als „Ahrensfelderin“ bezeichnet zu werden. Dabei ist sie diejenige im Ort, die mit Sicherheit am weitesten über die Dorfgrenzen hinaussieht.

Knoten für Hollywood-Stars
Davon zeugt ihre aktuelle Ausstellung in den USA. Noch bis April 2020 sind ihre Werke in der kalifornischen Metropole Los Angeles zu sehen, der Stadt, wo sich die Filmgrößen aus dem nahen Hollywood die Klinke in die Hand geben. Besonders spannend ist aber, wie sie mit ihren Werken das islamische, wenngleich sehr weltoffene Istanbul und eine jüdische Großstadt wie Be'er Scheva verbindet. Dies geschieht im Rahmen der Ausstellung „Das Ereignis eines Fadens. Globale Erzählungen im Textilen.“, die vorher in der Türkei und in Dresden zu sehen war.
Zu dieser Stadt hat sie eine besondere Beziehung, denn dort hatten in den 1980-er Jahren die „Sächsischen Kunstsammlungen“ ihre Zeichnungen über den Flächenabriss in Bernau angekauft. Sie hatte sie gefertigt, damit die Stadt wie sie früher mal war zumindest im Bild erhalten bleibt, bevor „sozialistische“ Plattenbauten die Zeitzeugen des Mittelalters brachial zerstörten.

Radikale Künstlerin?
Das war irgendwie ebenfalls typisch für das Leben der Künstlerin, das sich im Spannungsfeld zwischen den wechselnden künstlerischen Vorstellungen des Staats und ihrem Wunsch nach unmanipuliertem Ausdruck bewegte.
Wenn man Christa Jeitner gegenüber sitzt, kommt einem nicht im Ansatz in den Sinn, sie als radikal zu empfinden.
Dabei war sie mit ihren Werken gerade sehr erfolgreich in der Ausstellung „Medea muckt auf. Radikale Künstlerinnen hinter dem Eisernen Vorhang“ in Dresden zu sehen. Unter der gläsernen Kuppel der Kunsthalle im Lipsiusbau hing eine dreiflüglige Fadenverknotung bis in die kreisrunde Öffnung zum Untergeschoss. Zudem versperrte ein grobes Tau mit Knoten den Weg zum Kassenbereich. Bis April 2020 werden die Arbeiten in Los Angeles ausgestellt.
Sie sind Beispiele des sehr vielseitigen Schaffens von Christa Jeitner.
„Ich bin schon immer radikal gewesen, aber nicht im Sinne von ‚um sich schlagen‘, sondern im konsequenten Verfolgen der künstlerischen Ansprüche. Vieles konnte ich in der DDR nicht öffentlich zeigen“, erinnert sie sich.

Völlig abgeschnitten
Die Künstlerin verweist gerne auf die unterschiedlichen Phasen ihres Schaffens. Schon als Kind wollte sie Zeichnerin werden, sicher inspiriert vom Vater, der eng mit einem Maler aus Stuttgart befreundet war. Sie hat schon von klein auf immer in Blumberg gewohnt, genauer in Elisenau. Weil sie wegen ihrer „Nähe zu kirchlichen Kreisen“ in den 1950-er Jahren nicht in Ostberlin studieren konnte, schrieb sie sich in Westberlin in den Fächern Grafik, Malerei, textiles Gestalten und Kunstgeschichte ein. „Im Moment des Mauerbaus 1961 befand ich mich in der DDR, konnte also nicht weiter studieren und war fortan von meinen ganzen persönlichen Beziehungen und der kulturellen Szene in Westberlin abgeschnitten.“
Einigen Phasen erfolgreicher Ausstellungsbeteiligungen und Ankäufen ihrer Werke durch Museen folgten drastische Beschränkungen.

Polen als Ausweg?
Christa Jeitner wollte immer Grenzen ausloten und künstlerisches Neuland betreten. „Schon während des Studiums habe ich die Nahtzeichnung entwickelt, mit der ich die farbige Linie meiner Zeichnung in textilem Material weiterführte.“ Die teilweise dogmatische Enge in der DDR in den 1960-er Jahren konnte sie für sich durch persönliche Kontakte nach Polen sprengen. „Es hatte sich bei uns herumgesprochen, dass es dort eine offenere Kunstszene gab. Ich habe über eine Reiseleiterin Kontakte geknüpft und konnte dann auf Einladung immer wieder nach Polen reisen. Dadurch bekam ich ein wenig Anschluss an die internationale Kunstentwicklung. Zudem war die polnische Textilkunst im Aufbruch Richtung Weltspitze“, fasst sie die damaligen Impulse zusammen, die wesentlich mit dazu führten, dass sie eine eigenständige Bild- und Formensprache entwickelte und in der DDR damit ohne Vergleich war.

Alles im Katalog
Christa Jeitner arbeitet mit Hanf und Leinengarn, Leinengewebe, Seide und Tuch, ging in ihren Gestaltungen immer mehr von der Fläche in den dreidimensionalen Raum über. Sie war sogar als Textilrestauratorin tätig und gab dieses Wissen mit Lehrauftrag weiter. Sie ist eine tief von Kunst beseelte Frau, die die unzähligen Arbeiten ihres Lebens längst sorgfältig katalogisiert hat.
Diese fleißige Arbeit gestattet es ihr, innerhalb kürzester Zeit auf Werke eines bestimmten Jahres ihres Schaffens zurückzugreifen.
Mit Christa Jeitner bietet das kleine Elisenau die Möglichkeit, „radikale“ Kunst aus über 60 Jahren charmant präsentiert zu erleben.